Herr vom Saale zur Post am Mondorfstrand

Herr vom Saale zur Post am Mondorfstrand,

ein Saal in seinem Garten stand,

und kam die goldene Babbelzeit

und Plakate leuchteten weit und breit,

da stopfte der Herr, wenn’s Kinde scholl,

demselben mit Popkorn das Mündchen voll.

Und haben die Eltern die Kindlein geschicket,

so rief er: »Kinder, wollt Ihr ein Ticket?«

Und kamen Mädels und Jungs zuhauf,

so rief er: »Schnell, der Vorhang geht auf«

 

So ging es viel Jahre, bis lobesam

der vom Saale zur Post zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,

wieder lachten Plakate weit und breit;

da sagt der vom Saale zur Post: »Ich scheide nun ab.

legt mir noch ein paar Tickets ins Grab.«

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,

trugen sie den Gönner hinaus,

alle Mütter und Väter mit Feiergesicht

sangen »Jesus meine Zuversicht«,

und die Kinder klagten, das Herze schwer:

»Jetzt kriegen wir keine Tickets mehr«

 

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -

ach, sie kannten den Saalpächter schlecht;

der neue freilich, der knausert und spart,

hält Saal und Karten strenge verwahrt.

Aber der Alte, vorahnend schon

und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn,

der wußte genau, was damals er tat,

als um ein paar Tickets ins Grab er bat,

und im dritten Jahr aus dem stillen Schloss

ein Eintrittskartensprössling spross.

 

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

längst wölbt sich ein Ticketbäumchen über’m Grab,

und in der goldenen Herbsteszeit

Plakate leuchten weit und breit.

Und kommt ein Junge allein, ohne Vater,

so flüstert’s im Baume: »Heh, willste Theater?«

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s auf rheinisch

»Heh, kumm her, isch hann Tickets für disch«

 

So spendet Segen noch immer die Hand

des vom Saale zur Post am Mondorfstrand

 

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